Mehrwertsteuersenkung 2020: So passen Sie die Umsatzsteuer bzw. Mehrwertsteuer in WooCommerce an

Mehrwertsteuersenkung 2020: Einstellung der Umsatzsteuer / Mehrwertsteuer in WooCommerce anpassen

Um die wirtschaftlichen Schäden durch die Corona-Krise (Covid-19) zu bewältigen, hat die große Koalition ein milliardenschweres Konjunkturpaket verabschiedet, um die Wirtschaft zu stärken.

Im Rahmen dieses Konjunkturpakets wurde eine Senkung der Mehrwertsteuer, für einen begrenzten Zeitraum, beschlossen.

Diese Änderung trifft somit auf alle Unternehmen zu und betrifft auch Online-Unternehmer und den Online-Handel.

In diesem Artikel möchten wir Sie über die anstehenden Änderungen informieren und die notwendigen Einstellungen für die Umsatzsteuer / Mehrwertsteuer in WordPress & WooCommerce erklären.

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Hinweis zum Artikel:
Wenn wir im Blog-Artikel von Mehrwertsteuer reden, ist damit natürlich die Umsatzsteuer gemeint. Wir haben uns für die umgangssprachliche Bezeichnung entschieden, da diese häufig gebräuchlicher ist.

Bitte beachten Sie, dass wir keine Steuerberatung anbieten. Dieser Artikel stellt keine steuerliche Beratung dar und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bei steuerrechtlichen Fragen kontaktieren Sie bitte Ihren Steuerberater bzw. das zuständige Finanzamt.

Disclaimer

Wie und wann ändert sich die Mehrwertsteuer?

Wie und wann ändert sich die Mehrwertsteuer?
Wie und wann ändert sich die Mehrwertsteuer?

Zum aktuellen Zeitpunkt ist die coronabedingte Senkung der Mehrwertsteuer über einen begrenzten Zeitraum geplant. Gesenkt werden soll die Mehrwertsteuer vom 01.07.2020 bis einschließlich 31.12.2020, dass entspricht vollen 6 Monaten.

In diesem Zeitraum soll die Mehrwertsteuer um 3% für den regulären Mehrwertsteuersatz gesenkt werden und um 2 % für den ermäßigten Mehrwertsteuersatz.

Der ermäßigte Mehrwertsteuersatz findet in der Regel bei Produkten des täglichen Bedarfs- und der Grundversorgung Anwendung.

Mehrwertsteuer vom 01.07.2020 bis 31.12.2020
Mehrwertsteuer normal: 16% statt der sonst üblichen 19%
Mehrwertsteuer ermäßigt: 5% statt der sonst üblichen 7%

Bei der Mehrwertsteuer handelt es sich um eine Pflichtangabe auf Rechnungen

Wer aufgrund der anstehenden Änderungen der Mehrwertsteuer auf die Idee kommt, die MwSt. auf Rechnungen bzw. in Bestellungen im Shop auszublenden oder die angewendeten Sätze nicht darzustellen, dem sei folgender Hinweis mit auf den Weg gegeben:

Bei der Mehrwertsteuer und dem berechneten Satz handelt es sich um eine Pflichtangabe auf Rechnungen. Davon ausgenommen sind lediglich Kleinunternehmer nach der nachfolgend genannten Kleinunternehmerregelung §19 UStG., welche dann jedoch stellvertretend für die Mehrwertsteuer auf den Rechnungen vermerkt werden muss.

Mehrwertsteuer für Kleinunternehmer nach §19 UStG

Online-Shop Betreiber, welche unter die Kleinunternehmerregelung nach §19 UStG. fallen, müssen sich an dieser Stelle keine Sorgen machen. Als Kleinunternehmer weisen Sie keine Umsatzsteuer / Mehrwertsteuer auf Ihren Rechnungen aus und führen diese folglich auch nicht an das Finanzamt ab.

Diese Regelung bleibt, sofern für Ihr Unternehmen zutreffend, auch weiterhin bestehen.

Wichtig für die korrekte Berechnung der Mehrwertsteuer ist der Zeitpunkt der Leistung bzw. Lieferung (Leistungsdatum)

Wichtig für die korrekte Berechnung der Mehrwertsteuer ist der Zeitpunkt der Leistung bzw. Lieferung
Wichtig für die korrekte Berechnung der Mehrwertsteuer ist der Zeitpunkt der Leistung bzw. Lieferung

Die reine Änderung des Mehrwertsteuersatzes an sich ist kein großes technisches oder administratives Problem und lässt sich auch in Online-Shops wie WooCommerce sehr einfach umsetzen.

Was die Angelegenheit jedoch etwas schwieriger macht ist die Tatsache, dass für die Berechnung der Mehrwertsteuer der Zeitpunkt ausschlaggebend ist (Leistungsdatum), zu welchem die Lieferung erfolgt bzw. eine Leistung durchgeführt wird oder wurde.

Im folgenden zwei Beispiele für die Ermittlung des Mehrwertsteuersatzes und welche Rolle das Leistungsdatum dabei spielt:

Leistung im Juni 2020 & Rechnung im Juli 2020

Sie führen für einen Kunden eine sonstige Leistung im Juni 2020 und somit vor der Mehrwertsteuersenkung durch. Die Rechnung stellen Sie Ihrem Kunden im Juli 2020 und somit nach der Mehrwertsteuersenkung.

Wie oben beschrieben gilt jedoch das Leistungsdatum, in diesem Fall Juni 2020. Dementsprechend erhält Ihr Kunde eine Rechnung mit 19% Mehrwertsteuer.

Leistung im Dezember 2020 & Rechnung im Januar 2021

Sie führen für einen Kunden eine Leistung oder Lieferung im Dezember 2020 und somit nach der Mehrwertsteuersenkung durch. Die Rechnung über die Lieferung / Leistung erhält Ihr Kunde jedoch erst im Januar 2021. Nach aktuellem Stand wird ab dem 01.01.2021 wieder die ursprüngliche MwSt. in Höhe von 19% gelten. Die Rechnungslegung erfolgt somit nach der Steuererhöhung.

Auch hier gilt das Leistungs- bzw. Lieferdatum, welches sich im Zeitraum der gesenkten Mehrwertsteuer befinden würde. In diesem Fall erhält Ihr Kunde also eine Rechnung mit 16% ausgewiesener Mehrwertsteuer.

Die Problem-Version - wenn es unübersichtlicher ist ...

Die Problem-Version – wenn es unübersichtlicher ist …

Dieses Prinzip sollten Sie unbedingt bei den Einstellungen in Ihrem WooCommerce Online-Shop berücksichtigen.

Am einfachsten lässt sich diesem Prinzip entsprechen, wenn Sie die Möglichkeit haben Zahlungen, Rechnungen und den Versand der Ware zeitnah und zusammenhängend auszuführen.

In der aktuellen Konstellation sind gewisse Probleme absehbar, bei welchen es dazu kommt, dass z.B. Zahlungen und Rechnung im Online-Shop im Mai erfolgt, die Lieferung jedoch erst im Juni.

Nach unserer Erkenntnis wäre in diesem Fall eine Rechnungskorrektur mit der Lieferung im Juni notwendig. Alleine aus diesem Grund wird es für viele Händler einfacher sein, die Bruttopreise auf dem gleichen Niveau zu belassen, um bei Rechnungskorrekturen keine Ausgleichszahlungen veranlassen zu müssen.

Wir empfehlen Ihnen jedoch dringend, sich bezüglich dieser Konstellation in der Übergangszeit mit Ihrem Steuerberater in Verbindung zu setzen und zu klären, welche Steuern berechnet werden sollen bzw. wie mit dem Prozess verfahren werden soll.

So setzen Sie die Mehrwertsteuersenkung in WooCommerce um

So setzen Sie die Mehrwertsteuersenkung in WooCommerce um
So setzen Sie die Mehrwertsteuersenkung in WooCommerce um

Neben der reinen Änderung des Mehrwertsteuersatzes beachten Sie bitte unbedingt die oben erwähnten Prinzipien nach der MwSt.-Berechnung auf Basis des Leistungs- bzw. Lieferdatums.

Gerade in der Übergangsphase müssen Sie ggf. manuelle Rechnungskorrekturen durchführen.

Manuelle Anpassung der Steuersätze in WooCommerce

Am einfachsten ist manuelle Anpassung der Steuersätze direkt zu den oben genannten Stichtagen.

Wenn Sie Ihre Preise im Shop als Bruttopreise hinterlegt haben wird der Bruttopreis unverändert vom System verwendet und es ändert sich nur der darin enthaltene MwSt.-Satz.

Anpassung der Steuersätze in WooCommerce

Um die Steuersätze anzupassen, gehen Sie in folgendes Menü in WordPress:
WooCommerce > Einstellungen – dort wählen Sie oben bei den Tabs „Mehrwertsteuer“ aus.

In diesem Dialog finden Sie nun die Steuer-Optionen und können über die Links, unterhalb der Tabs, die verschiedenen Steuersätze aufrufen.

Klicken Sie z.B. auf „Standard Raten“ um die normalen Mehrwertsteuersätze für Ihren WooCommerce-Shop anzupassen.

Importieren Sie die neuen Mehrwertsteuersätze direkt in WooCommerce

Wir haben Ihnen zwei CSV-Dateien für den Import der neuen MwSt.-Sätze vorbereitet, diese können Sie einfach in WooCommerce importieren.

Gehen Sie wie folgt vor:
WooCommerce > Einstellungen – dort wählen Sie oben bei den Tabs „Mehrwertsteuer“ aus.

Unterhalb der Tabs wählen Sie nun den gewünschten Steuersatz aus, „Standard Raten“ beinhaltet in der Regel den Standard-Steuersatz von 19%, welcher auf 16% gesenkt werden muss. „Ermäßigter Steuersatz Raten“ beinhaltet in der Regel den ermäßigten Steuersatz von 7%, welcher auf 5% gesenkt werden muss.

Achtung: Die Namen der Steuersätze können in WooCommerce frei definiert werden. Achten Sie darauf, dass Sie die korrekten Sätze anpassen. Diese können auch andere Namen haben als die oben erwähnten.

Wenn Sie den richtigen Steuersatz ausgewählt haben und sich die Tabelle vor Ihnen befindet, gehen Sie wie folgt vor:

Wählen Sie den benötigten Steuersatz und laden die Importdatei herunter:

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

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So funktioniert der Import

1. Sichern Sie die aktuellen Steuersätze
Klicken Sie unterhalb der Tabelle auf „CSV-Datei exportieren„. Bewahren Sie die exportierte CSV-Datei gut auf, diese können Sie Ende des Jahres nutzen um die alten Steuersätze wiederherzustellen.

2. Löschen Sie die bestehenden Einträge
Wählen Sie den ersten Eintrag aus der Liste aus (klicken Sie einfach darauf), dieser sollte leicht gelblich werden. Klicken Sie nun mit gedrückter „Shift“ Taste auf den letzten Eintrag in der Liste, nun sollten alle Tabellenzeilen gelblich markiert und somit ausgewählt sein.

Klicken Sie nun auf den Button „Ausgewählte Zeile(n) entfernen“ und danach auf „Änderungen speichern„.

3. Steuern über CSV-Datei importieren
Nachdem die alten Steuersätze gelöscht wurden, klicken Sie rechts unterhalb der Tabelle auf „CSV-Datei importieren“.

Wählen Sie im Bereich „Wähle eine Datei von deinem Rechner:“ nun die CSV-Datei aus, welche die 16% bzw. 5% Steuersätze beinhaltet. Anschließend klicken Sie auf „Datei hochladen und importieren„, fertig!

Sobald wieder die alten Steuersätze von 19% bzw. 7% gelten, nutzen Sie einfach Ihre in Schritt 1 exportierte Datei und führen damit die Schritte 2 und 3 erneut durch.


Falls Sie Probleme bei der Umsetzung der Mehrwertsteuersenkung in Ihrem WooCommerce-System haben, können wir Sie gerne bei den Arbeiten unterstützen.

verfasst von Redaktion
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